Die Dunkle Rifbiene

Apis mellifera major

Bindeglied zwischen der Europäischen und der Afrikanischen Biene

Diese Unterart der Dunklen Bienen Westeuropas wurde erst im Jahre 1974 durch Zufall im marokkanischen Rifgebirge entdeckt. Zunächst war nicht klar, ob es sich bei den gefundenen Exemplaren um eine lokale Population der benachbarten Tellbiene oder tatsächlich um eine eigenständige Unterart handelt. Erst im Jahre 1988 konnte der Status als eigenständige Unterart der Honigbiene festgestellt werden. Die Major ist eine auffallend große, schwarze Biene, größer noch als die Iberica und auch die Mellifera, und überraschenderweise mit einem sehr langen Rüssel, der bis zu 7,10 mm messen kann. Hierbei unterscheidet sie sich sowohl von der Iberica als auch der Mellifera. Von der benachbarten Tellbiene, die in den selben Breitengraden vorkommt, unterscheidet sich die Major signifikant in der Körpergröße und in einigen anderen morphologischen Eigenschaften. Doch wie kann es sein, dass eine Biene typisch "nordische" Eigenschaften ausbildet, obwohl sie in Afrika vorkommt und in den selben Breitengraden wie die eindeutig subtropische Tellbiene lebt? Die Antwort ist in der Erdgeschichte zu suchen. Während der Eiszeiten war das Gebiet Nordwestafrikas deutlich kälter und feuchter als heute, so dass sich eine Biene entwickelt musste, die in einem derartigen Klima bestehen kann. Mit der Erwärmung des Klimas vor gut 12.000 Jahren stieg die Major auch in das Rifgebirge hinauf. Das nunmehr sehr warme Tiefland Nordwestafrikas wurde erst dann von einer anderen Biene, der nahe verwandten Tellbiene, besiedelt. Die Rifbiene kommt heute an der gesamten Marokkanischen Mittelmeerküste von Gibraltar bis nach Algerien, im Rifgebirge bis in 2000m Höhe, vor; außerdem strahlt sie über die südiberische Halbinsel nach Europa hinein. Sie ist damit das erdgeschichtliche Bindeglied zwischen den europäischen Dunklen Bienen einerseits und der schwarzen Afrikanischen Tellbiene Nordwestafrikas andererseits. Imkerlich und biologisch ist die Rifbiene wenig erforscht. In ihrer Heimat wird sie auch heute noch unter kärglichsten Bedingungen gehalten in traditionellen Röhren aus Kork oder anderen pflanzlichen Materialien.

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