Die Tien-Shan-Biene

Apis mellifera pomonella

Die neueste Entdeckung und gleichzeitig wohl die interessanteste fand im Jahre 2002 mit der Beschreibung der Tien-Shan-Biene Apis mellifera pomonella aus Zentralasien statt. Bis dato galt das westliche Afghanistan als die Ostgrenze der Verbreitung der Westlichen Honigbiene Apis mellifera. Erst weiter östlich, an der Grenze zu Pakistan, beginnt das Verbreitungsgebiet der Östlichen Honigbiene Apis cerana, die ja eine eigene Art darstellt. Mellifera und Cerana haben sich vor ca. 6 bis 9 Millionen Jahren genetisch voneinander getrennt. Die einzelnen Unterarten der Honigbiene entstanden dagegen erst im Laufe der letzten 1 Million Jahre. Umso erstaunlicher ist es, dass im Tien-Shan-Gebirge im östlichen Kasachstan, ca. 2000 km außerhalb des bisher angenommen Verbreitungsgebietes der Mellifera, eine weitere Biene sozusagen als Exklave gefunden wurde. Diese Entdeckung dürfte die Theorien um die Entstehung der Bienenarten und -unterarten ein weiteres Mal erschüttern. Zumindest wirft es die Frage auf, wo die westliche Biene ihr ursprüngliches Entstehungszentrum hatte. Gingen bisherige Theorien davon aus, dass dieses im nahen Osten unweit des Mittelmeeres lag und sich die Honigbiene von hier aus in alle Richtungen ausbreitete, so halten es Wissenschaftler jetzt für möglich, dass auch die westliche Honigbiene ihren Ursprung möglicherweise im zentralen Asien hatte.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Tien-Shan-Biene in den Kreis der Orientalischen Bienen gehört. Sie ist damit mit der Kaukasischen, der Anatolischen und der Armenischen Bienen am nächsten verwandt. Die Pomonella ist eine relativ große Biene mit einem breiten Hinterleib und recht schmalen Filzbinden. Obwohl die Biene in Höhen von 2000 m über dem Meeresspiegel vorkommt, hat sie relativ kurzes Überhaar. Der Kubitalindex beträgt im Mittel 2,24, die Färbung des Abdomens zeigt ein lederbraun und unterscheidet sich nur wenig von der Anatoliaca. Im Gegensatz zur ebenfalls nahe verwandten Caucasica besitzt die Pomonella einen vergleichsweise kurzen Rüssel.

Über die Eigenschaften kann naturgemäß derzeit noch nichts gesagt werden. Es scheint sich jedoch um eine überaus robuste und auch sanftmütige Biene zu handeln, die bis heute unter den widrigen Klimaverhältnissen des nördlichen Himalaja überlebt hat.

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