Die Afrikanisierte Biene - Africanized Honey bee AHB

Mörderbiene auf Siegeszug?

Das wohl größte, wenn auch ungewollte, Bienenzüchtungsprojekt in der Geschichte der Menschheit fand im 20. Jahrhundert in Südamerika statt. Dorthin, geanuer gesagt nach Sao Paulo in Brasilien, führte im Jahre 1957 der brasilianische Bienenwissenschaftler Dr. Warwick Kerr ca. 120 Königinnen der Südostafrikanischen Hochlandbiene aus der Savanne Tansanias und Südafrikas ein. Es sollte getestet werden, ob sich möglicherweise diese Tropenbienen besser eigneten für das immerfeuchte, heiße Tropenklima des Brasilianischen Tieflandes als die dort zuvor gehaltenen Bienen spanischer Herkunft, die in Brasilien ohne menschliche Hilfe kaum lebensfähig gewesen wären. Das Experiment unter zunächst verschlossenen, isolierten Bedingungen geriet außer Kontrolle: 36 Königinnen der neu eingeführten Bienen aus Afrika entwichen ihren Behausungen und ergriffen Besitz von ihrem neuen, ungewohnten Lebensraum: dem tropischen Regenwald. Sie überrollten förmlich die bisher in Brasilien gehaltenen Bienenpopulationen, vermehrten sich mit bis zu 15-maligem Schwärmen pro Jahr explosionsartig und breiteten sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 200 km im Jahr aus. Innerhalb von nur 24 Jahren wurde das mehrere Tausend km entfernte Mexiko erreicht, und Anfang der 90-er Jahre überschritten die Afrikanisierten Bienen die Staatsgrenze der USA. Vermutungen, die Afrikabiene würde sich auf ihrem Weg mit der europäischen Biene genetisch mischen, mussten widerlegt werden: die Afrikanischen Bienen waren bei ihrer Ankunft in den USA noch genau so "afrikanisch" wie in den 50-er Jahren in Sao Paulo. Aufgrund ihrer Vitatilät und starken Vermehrungsdynamik hatten sie die bisherigen europäischen Populationen genetisch und physisch einfach "beiseite geräumt".

Wie verhalten sich die Afrikanisierten Bienen? Eigentlich auch so, wie sie es in Afrika tun, doch die dauerfeuchten, tropischen Urwaldbedingungen schienen noch zu einer Verstärkung der Eigenschaften der Afrikabienen beigetragen zu haben: die südamerikanischen Imker waren völlig überrascht und überfordert von der Aggressivität, der Schwarmtriebigkeit und der Vitalität der Afrikanisierten Biene. Nach einer Zeit der Resignation und der Versuche, ein Zuchtprogramm mit Europäischen zu starten, erfolgte eine Zeit der Lernens und der Anpassung an die neuen Verhältnisse: heutzutage arbeiten die brasilianischen Imker, eingehüllt in dicken Schutzanzügen, mit ihren Bienen weit außerhalb von menschlichen Siedlungen, auf extensive Weise, rabiat in der Völkerbehandlung, und doch erfolgreich.

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