Alternative artgerechte wesensgemäße Bienenhaltung

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 Drucken E-Mail

Alternative Bienenhaltung in "Einfachbeuten"

Ein neuer Weg?

Mittlerweile sind verschiedene Bestrebungen im Gange,  Bienen im Naturbau bzw. Stabilbau auf "wesensgemäße" Art und Weise zu halten. In Anbetracht der sinkenden Zahl von Imkern und Bienen in Deutschland werden Wege gesucht, um möglichst einfach, zeitsparend und günstig Bienen zu halten. Hinzu kommt noch die Vorstellung, Bienen so naturnah wie möglich zu halten. Eine weitere Gruppe (der Demeter-Imker) will sich mit ihren Systemen spirituell-anthroposophisch der Imkerei annehmen.

Zielgruppe: Naturliebhaber und Öko-Imker mit 2-3 Bienenvölkern im Garten.

Die in diesem Abschnitt vorgestellten Systeme sind in der deutschen Imkerschaft relativ unbekannte Erscheinungen; sie stellen völlig andere Bienenwohnungen als die millionenfach erprobte Magazinbeute dar und erfordern eine grundsätzlich andere Behandlungsweise und eine ebenso gründliche Einarbeitung; die Betriebsweisen bedürfen teilweise auch noch einer weiteren Verfeinerung.

Insgesamt können wir bei den alternativen Bestrebungen der Bienenhaltung folgende drei unterschiedliche Strömungen feststellen, die sich teilweise überschneiden:

  1. Bienenhaltung so einfach und kostengünstig wie möglich
  2. Bienenhaltung so natürlich wie möglich
  3. Bienenhaltung spirituell-anthroposophisch

Ob diese Ziele mit folgenden Systemen erreicht werden, möge der Leser selber entscheiden:

Die Warré-Beute

Eine unter deutschen "Alternativimkern" schon recht bekannte Beute ist die interessante Warré-Beute, die aus dem französischen Sprachraum stammt. Hierbei handelt es sich um eine dem Magazin ähnliche Bienenwohnung, bestehend aus mehreren übereinander angeordneten Zargen, die aber keine Rähmchen sondern lediglich fest eingebaute Oberträger beinhalten, an denen die Bienen mehr oder weniger frei ihre Waben bauen. Da bekanntlich freigebaute Waben in der Regel nur seitlich, nicht aber unten festgebaut werden, sind die einzelnen Zargen der Warrébeute beweglich. Einzelne Waben dagegen sind nicht hantierbar. Wir haben es hier also mit einer Teilstabilbeute zu tun.

Eigenschaften der Warré-Beute:

  • dem Magazin ähnlich, nur in den Abmessungen kleiner
  • entspricht mit der vertikalen (senkrechten) Beutenform dem Naturtrieb des Bienenvolkes
  • Königinnentausch nicht möglich, da Stabilbau
  • Eigenbau recht einfach

Link: Hier geht's zur deutschen Seite zum Thema Warrébeuten www.immenfreunde.de von Bernhard Heuvel

Der Kenya Top Bar Hive KTBH

Eine weitere, jedoch völlig andere, interessante Richtung geht eine Erfindung, die eigentlich für Imker in Afrika gemacht wurde. Die englische Bezeichnung Top Bar Hive bedeutet auf deutsch Oberträgerbeute und erklärt schon die Funktionsweise dieser sehr einfach gehaltenen Bienenwohnung: wie beim Kieler oder Segeberger Begattungskästchen sind die beweglichen Waben an Oberträgern aus Holz fixiert. Analog zu den vorgenannten Begattungskästchen verlaufen die Seitenwände nicht senkrecht, sondern konisch nach unten. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Bienen die Waben an den Seitenwänden festbauen. Theoretisch funktioniert diese Überlegung auch. Leider neigen jedoch besonders starke Völker dazu, die Waben auch in diesen Beuten an den Seitenwänden festzubauen, insbesondere, wenn gute Nektartracht herrscht. Die volle Beweglichkeit der Waben ist daher schon eingeschränkt. Ein weiterer Nachteil ist die ständige Gefahr eines Wabenabrisses vom Oberträger. Diese Gefahr ist umso größer, je jünger und schwerer eine Wabe ist. Besonders behutsames Hantieren ist hier also sehr wichtig.

Eigenschaften des KTBH:

  • beweglicher Naturwabenbau in einem Trog, der KTBH ist also eine Trogbeute
  • Waben befinden sich nicht im Rähmchen, sondern nur an Oberträgerleisten
  • ständige Gefahr des Wabenabrisses
  • gute Möglichkeit der Ablegerbildung und der Königinnenentnahme
  • Eigenbau gestaltet sich wegen der konischen Beutenform schwieriger

Informative Seite zum Top Bar Hive der LWG Bayern

Seite von Top-Bar-Hive-Imker Guido Frölich

Folgende beide Projekte stehen dem Demeter-Netzwerk Mellifera e. V. nahe:

Das Demeter-Netzwerk http://www.mellifera.de/ fungiert hier als zentrale Koordinationsstelle für alle Imker-Anthroposophen. Diesem Netzwerk gehören u. a. die Projekte "Bienenkiste", "Einraumbeute", "Bee Good", "Bee in Contact", "Blühende Landschaften" und die "Schwarmbörse" an. Im Leitbild von Mellifera e.V. ist u. a. zu lesen: Mellifera e.V. betreibt in vielfältiger Form Öffentlichkeitsarbeit für Imker und imkerliche Laien. Neben der Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für die Themen von Mellifera e.V. werden folgende Schwerpunkte gesehen: Anthroposophische Bewegung und anderweitig spirituell orientierte Menschen, Kinder, Demeter Bewegung."

Die Bienenkiste

Die "Bienenkiste" des Entwicklers und Imkers Erhard Maria Klein aus Hamburg verfolgt das Ziel, "mit einem Minimum an Kosten und Zeitaufwand Bienen halten" zu können. Als Vorbild für diese horizontal ausgerichtete Bienenwohnung aus Holz diente der Krainer Bauernstock. Mit ca. 90 liter Rauminhalt ist jedoch die Bienekiste viel größer, dennoch haben die Waben nur eine Höhe von 20 cm. Die Behandlung des Volkes erfolgt von unten in angekippter Stellung; die Honigwaben sind an einzelnen, herausnehmbaren Leisten fixiert. Bewusst wird auf die Schwarmbetriebsweise gesetzt, die ja nach den Richtlinien der wesengemäßen Bienenhaltung dazu gehört. Die Beute ist im Selbstbau zu fertigen; sie wird aber auch industriell vorgefertigt angeboten. Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage www.bienenkiste.de mit Hinweisen zur Bearbeitung, zum Selbstbau, Fragen und vielen Antworten. Nachteil dieser Beute: ihr beim Erwerb hoher Preis von 230,00 €.

Eigenschaften der Bienenkiste:

  • flacher, langer Horizontalbau mit geringer Wabenhöhe von nur 20 cm!
  • ahmt in der Konstruktion den Krainer Bauernstock nach
  • eine im Verhältnis zum Volumen große Oberfläche der Beutenaußenseiten
  • durch Stabilbau kein Zugriff auf die Brutwaben, kein Königinnentausch möglich (oder vielleicht doch?)
  • zur Bearbeitung wird das gesamte Volk auf den Kopf gestellt
  • Honigwaben sind herausnehmbar, da an Leisten befestigt, was die Beute kompliziert macht

Die Einraumbeute

Die Einraumbeute wurde von der "Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung Mellifera e.V." entwickelt. Sie ist eine Trogbeute mit einem einzigen Raum, der 20 Hochwaben fasst. Die Größe der Mittelwand wird mit 258 x 422 mm angegeben,  das entspricht ungefähr den Maßen einer Dadantwabe. Mellifera e.V. sieht aber ein Arbeiten ohne Mittelwände vor, die Bienen sollen in den Rähmchen Naturbau errichten. Das relativ große Flugloch befindet sich an der breiten Seite der Beute, so dass sich die Waben in Kaltbaustellung befinden. Die Einraumbeute ist trotz einiger Vorzüge recht unbekannt und wenig verbreitet, woran ihr hoher Preis von über 200,00 € wohl die Hauptverantwortung trägt.

Eigenschaften:

  • Trogbeute mit allen Hochwaben in einem Raum im Kaltbau
  • es wird von Demeter reiner Naturbau empfohlen
  • durch Mobilbau sind Königinnentausch, Ablegerbildung etc. möglich
  • teuer in der Herstellung und der Anschaffung

Link zur Einraumbeute

Zusammenfassung

Wie wir sehen, gibt es sehr viele unterschiedliche Systeme von "Einfachbeuten". Jede hat unter den Aspekten einer neuzeitlichen Imkerei ihre Nachteile. "Einfachbeuten" sind weder "einfach" in der Konstruktion noch in der Bearbeitung der Völker. Jede einzelne erfordert ganz spezielle Techniken und ein spezifisches Fachwissen. Von daher können wir generell keine von ihnen einem Anfänger empfehlen. Neuimker sollten bewusst auf Magazinbeuten zusteuern, und wenn der Anfänger wünscht, "alternativ" imkern zu wollen (Naturbau, Schwarmbetriebsweise, natürliche Völkerführung), so ist dies auch in der Magazinbeute absolut möglich. Wir benötigen also für eine "ökologische" Bienenhaltung keine spezielle Beute.

Alternativbeuten können aber sicher eine interessante "Abwechslung" für Bastler und Spezialisten sein. Eine gründliche Einarbeitung ist hier aber unbedingt notwendig.

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