Korbimkerei-Korbbienenzucht-Heideimkerei

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Samstag, 04. Dezember 2010 Drucken E-Mail

Korbbienenhaltung

Über die Haltung von Bienen in Strohkörben

Diese Seite ist noch in Arbeit, aber schon jetzt können Sie in unserem Fachforum zur Korbbienenzucht wertvolle Informationen finden.

Die Haltung von Bienen in Strohkörben stellte jahrhundertelang die überwiegende Form der Imkerei in Deutschland dar. Insbesondere die Betriebsweise und der Stülper der Heideimker war weit verbreitet und allgemein bekannt. Doch auch andere Korbformen, geflochten aus Roggenstroh, kamen regional vor. Mit dem Einzug der Mobilbauimkerei geriet die Korbbetriebsweise langsam in Vergessenheit, doch in den letzten Jahren ist wieder ein zunehmendes Interesse und eine Rückbesinnung auf alte Formen der Bienenhaltung spürbar.

Der Lüneburger Stülper war bis zum Zweiten Weltkrieg in Norddeutschland die am häufigsten anzutreffende Bienenwohnung; die Betriebsweise der Heideimker der Lüneburger Heide ist heute allgemein bekannt. Dieser Bienenkorb war in verschiedenen Variationen über ganz Norddeutschland, England und Holland verbreitet, also in den angelsächsischen Ländern. Er bestand aus Roggenstroh, dass mit der Spiralwickeltechnik zu einem Zopf geflochten und schließlich zu der Korbform vernäht wurde. Das Flugloch befand sich typischerweise am oberen Rand, doch regional gab es auch unterschiedliche Abweichungen. In den letzten Jahren nimmt das Interesse an dieser Form der Bienenhaltung wieder zu; sie wird insbesondere von alternativ und heimatkundlich orientierten Imkerfreunden angepeilt. Dies zeigen unter anderem die immer häufiger angebotenen Flechtkurse zum Herstellen von Bienenkörben, die mehr und mehr frequentiert werden. Der Bienenkorb ist eine Stabilbaubeute, das heißt, die Waben sind nicht bewegbar. Dennoch verstand es der Heidjer sehr gut, die Völker mittels Fluglochbeobachtung und Inspektion der Waben von unten (stockwarme Waben lassen sich leicht blättern) zu verstehen. Für den Bienenkorb sprechen folgende Argumente hinsichtlich einer alternativen Imkerform: Natürliches Baumaterial, von jedem herzustellen, relativ naturnahe Bienenhaltung. Die Nachteile sind folgende: man benötigt einen regendichten Heidestand, das Korbvolumen (umgerechnet ca. 7 Normalmaßwaben) lässt die Entwicklung großer Völker nicht zu, und letztendlich propduziert man auf diese Weise Bienenschwärme und Schwarmbienen!

Korbbienenstand in Kiel

Im Jahre 2007 begann die erste Planung und der Beginn mit dem Aufbau einer Korblagd, also eines Bienenstandes mit historischen Korbbeuten in Kiel. Dieser wurde im Jahre 2009 fertig gestellt und von Kai-Michael Engfer mit 6 Strohkörben bestückt, die bis zu 80 Jahre alt sind. 4 der Strohkörbe stellen den typischen Lüneburger Stülper dar, wie er in Norddeutschland sehr verbreitet war. Desweiteren schmücken die Lagd ein Kanitzkorb aus der Lüneburger Heide und ein westfälischer Stülper, der dem Lüneburger Stülper recht ähnlich ist, dessen Flugloch jedoch sich mehr in der Mitte des Korbes befindet, und nicht am oberen Rand. Alle Strohkörbe wurden vom Autor nochmals mit "Maibutter", also mit frischem Kuhdung, bestrichen, um ihnen einen Schutz vor äußeren Einflüssen zu geben, so wie es auch früher gute Tradition war.

Seit Sommer 2009 sind die ersten beiden Körbe mit Bienen besiedelt. Hierzu wurden ein Schwarm im Juni und ein im August aus 7 Begattungsvölkern gebildeter Kunstschwarm verwendet. Das besondere an den Bewohnern ist, dass es sich bei ihnen um die "alte" einheimische Dunkle Biene handelt, die bis vor ca. 150 Jahren in Deutschland flächendeckend vorhanden war. Beide Schwärme konnten innerhalb weniger Wochen dank guter Fütterung mit Zuckerwasser in der Futterschale ihren gesamten Wabenbau bis zum Standbrett hinunter ausbauen. Mittlerweile sind beide Völker dank des guten Wetters erstarkt, aufgefüttert und damit bereit für den langen Winter.

Der Kieler Korbbienenstand dürfte bezüglich der Anzahl der Körbe und der originellen Bewohner, nämlich der Dunklen Biene, einmalig in Kiel und Umgebung sein. Dienen soll er insbesondere dem Zwecke der Beobachtung der einheimischen Biene in ihrer althergebrachten Behausung. Doch auch interessierte, engagierte Besucher soll er zukünftig informieren. Den wunderschönen Film "Heideimkerei" in 8 Teilen finden Sie in unserer Mediathek.

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