Argumente für die Dunkle Biene

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Dienstag, 30. November 2010 Drucken E-Mail

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Argumente für die Mellifera

Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera ist, wie wir auf der vorigen Seite gelesen haben, die einzige in Mitteleuropa ursprünglich heimische Honigbiene. Sie wurde jedoch in Deutschland ausgerottet und ersetzt durch Fremdbienen wie die Carnica und die Buckfast. Diese Fremdbienen sind nicht Teil des mitteleuropäischen Gefüges! Alleine schon aus diesem Grund, so meine ich, sollte die Dunkle Biene ihren angestammten Platz in Deutschland haben! Es gibt aber noch viele andere gute Gründe, die heimische Mellifera als ursprüngliches Wildtier wie auch als altes Nutztier in Deutschland wieder anzusiedeln:

Artenschutz:

Ein sehr wichtiges Argument für den Erhalt der Dunklen Biene ist der Artenschutz. Wir Menschen erleben zur Zeit auf der ganzen Welt eine Globalisierung, wie es sie noch nicht gegeben hat: die Entfernungen werden immer kleiner, Probleme sind nur weltweit in den Griff zu bekommen, ökonomische und ökologischen Krisen wirken sich ebenfalls weltweit aus. Die Folgen sind dramatisch: Einheimische Arten sterben aus, andere, eingeführte Organismen breiten sich unnatürlich stark aus. Die Artenvielfalt auf dieser Welt nimmt ab! Täglich verschwinden eine Tierart und eine Pflanzenart von unserem Erdball. Endgültig! Das Gegenstück dieser Verarmung heißt BIODIVERSITÄT. Das bedeutet eine größtmögliche Artenvielfalt durch Erhalt der Arten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität ist es nicht zu verantworten, in einem Gebiet die heimische Biene (in diesem Fall die Dunkle Biene) durch eine fremdländische Biene (in diesem Fall die Carnica) zu ersetzen. Genau dies aber fand in Deutschland statt: die Dunkle Biene wurde gezielt und bewusst von Seiten der Imkerorganisationen mit dem Mittel der "Verdrängungszucht" ausgerottet. Dies war und ist Ziel des Deutschen Imkerbundes und der ihm angegliederten Imker- und Zuchtorganisationen.

Robustheit und Flugkraft:

Von keiner anderen zu übertreffen! Die Mellifera ist von allen Unterarten die kräftigste und größte Honigbiene. Auch bei anderen weitverbreiteten Tierarten bringen Populationen aus nördlichen, kühleren Gebieten größere, massivere Exemplare als Populationen aus südlichen, milden Gegenden hervor. Schon durch ihre Größe, Kompaktheit und schwarze Farbe sind die Arbeiterinnen der Dunklen Biene besser auf kaltes Klima eingerichtet als jede andere Rasse. Schwarze Körperfarbe zieht die Sonnenstrahlung am optimalsten an! Bei kaltem Wetter fliegen Dunkle Bienen bereits, wo andere Bienen wie die Carnica oder Buckfast sich in ihren Behausungen verstecken. Dies ist besonders auffällig im Frühjahr, im Herbst und am frühen Morgen sowie späten Abend. Es sind immer die Dunklen, die dann fliegen. Auch die Flugkraft an sich ist erstaunlich. Dunkle Bienen fliegen schneller und weiter als andere Südbienen. Sie sammeln Nektar und Pollen von bis zu 4 km entfernten Quellen, und auch bei der Paarung sind es immer die Dunklen Drohnen, die den anderen "Zuchtdrohnen" überlegen sind. Auch bei Regenwetter und nur 15 Grad Celsius finden erfolgreiche Paarungsflüge statt. Dies ist einmalig. Keine andere Biene ist damit so gut auf kaltes Klima eingestellt wie unsere heimische Mellifera.

Bodenständigkeit: Wildtier und Kulturerbe!

Neben der unbestrittenen klimatischen Anpassung besitzt die Dunkle Biene Eigenschaften, die mit der heimischen Flora aufs engste verbunden sind. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass viele einheimische, seltene Pflanzen von der Dunklen Biene bestäubt werden, nicht aber von anderen südlichen Hochzuchtbienen. Die heimische Pflanzenwelt ist somit auch auf die Dunkle Biene (neben den Solitärbienen und heimischen Hummeln) als ökologisch angepasste Bestäuberin angewiesen. Die Dunkle Biene war mit dem mitteleuropäischen Wald eng verflochten; im Zusammenspiel mit den Ameisen, der Hornisse, den Hummeln und Solitärbienen erfüllte sie eine unersetzliche Rolle in den mitteleuropäischen Ökosystemen. Sie ist damit ein richtiges europäisches Wildtier! Doch auch als altes Nutz- bzw. Haustier hat sie über die letzten Jahrtausende den mitteleuropäischen Menschen begleitet. Sie gab ihm Honig, Wachs, Kittharz und Pollen. Mit der Dunklen Biene entstanden erst die Klotzbeuten, dann die Strohkörbe, die alten Bienenstöcke, Blätterbeuten, und wie sie alle heißen. Die Dunkle Biene gehört damit zum europäischen Kulturerbe!

Fleiß: Oft unterschätzt!

Die Widrigkeiten des europäischen Wettergeschehens haben eine Biene geformt, die äußerst fleißig sein muss, um schlicht und ergreifend zu überleben! Sie ist mit einer unglaublichen Lebensdauer und Robustheit ausgestattet, doch dies allein wäre noch nichts wert ohne Fleiß. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend kennt die Mellifera nur ein Ziel: das Herbeischaffen von Pollen und Nektar. Die Dunkle Biene ist ein richtiger Pollenhamster! Tatsächlich kenne ich keine andere Biene, die mit einer derartigen Lebenskraft und Ausdauer um die eigene Versorgung bemüht ist. Zwei Beispiele: Auch ein Volk, das nur aus einer Handvoll Bienen besteht, hat keine Schwierigkeiten zu überleben. Zeiten ohne Nektartracht und auch den schwierigsten Winter vermag die Dunkle Biene ohne Probleme zu überstehen; Völkerverluste sind praktisch unbekannt!

Sanftmut: Welch Überraschung!

Glücklicherweise wird den Lügengeschichten der Verbandsfunktionäre der 80er und 90er Jahre, die Mellifera sei ein stechwütiges Unwesen, nicht mehr Glauben geschenkt. Ich selber freue mich über jeden Tag, an dem ich mit meinen Dunklen Bienen arbeiten darf, selbstverständlich ohne Schleier, Handschuhe etc. Ich durfte mich wie jeder andere Mellifera-Freund von der Sanftmut der Dunklen Biene überzeugen. Die Dunkle Biene lässt sich mit Freude ohne jeglichen Schutz, kurzärmlig und in "kurzer Büx", behandeln! Noch nie habe ich mit Schleier geimkert; ich habe dies auch in Zukunft nicht vor. Die Dunkle Biene, welche ich kenne, ist sanfter als viele Carnica-Völker, die ich ebenfalls kennengelernt habe! Stechlust ist meines Erachtens immer eine Frage äußerer Faktoren. Natürlich kann man sich auch die sanftesten Bienen stechlustig erziehen, wenn man sie grob behandelt, z. B. durch hastiges Quetschen, strenge Gerüche etc. Probieren Sie es mal aus!

Verteidigungsbereitschaft: Eindringlinge ohne Chance

Natürlich besitzt die Dunkle Biene einen Stachel, den sie auch einzusetzen versteht. Es ist ihr gutes Recht, und sie hat ihn auch dringend nötig, um sich vor distanzlosen Wespen, hungrigen Hornissen und aufdringlichen Räuberbienen zu schützen. Glücklicherweise verfügt die Mellifera über eine sehr gut funktionierende Fluglochwache. Hier hat keine Wespe die Chance, einzudringen, ganz im Gegensatz zu Carnicavölkern, die oft jede Wespe durchlassen. Auch aus diesem Grunde bin ich stolz auf meine Dunklen Bienen.

Idealismus

Dennoch: Trotz aller guten, „praxisnahen“ Argumente wird die Dunkle Biene in Deutschland nur dann eine Chance haben, wenn sich genug Imker finden, die auch aus Liebe zum Ursprünglichen und aus Naturverbundenheit heraus Lust daran verspüren, unser altes imkerliches Erbe zu erhalten und tagtäglich selber mit der Nordbiene zu arbeiten. Ein gewisses Quantum an Idealismus, an Verzicht auf Profitdenken und an Rückbesinnung auf die Natur und die ökologischen Zusammenhänge sind hierfür aber notwendig. Imkerfreunde mit nur wenigen Völkern im Garten, aber auch Waldimker, Heideimker und „Bioimker“, erfüllen meist diese Voraussetzungen. Doch auch engagierte Züchter und Königinnenvermehrer könnten ihr Interesse an der Mellifera entdecken; nimmt doch die Nachfrage an begatteten Königinnen dieser Unterart in den letzten Jahren stark zu. Ob und in welcher Form die Dunkle Biene künftig ihren Platz in Deutschland einnehmen wird, werden die nächsten Jahre zeigen. Vorstellbar ist jetzt schon der Aufbau einer breiten Basis an Zuchtvölkern skandinavischer und alpiner Herkunft sowie die Nachzucht von Zuchtköniginnen über die Reinpaarung auf Inselbelegstellen und die künstliche Besamung. Möglicherweise wird die Dunkle Biene neben der Carnica und der Buckfast in Deutschland wieder ihren angestammten Platz finden.

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