Dunkle Biene - Frage der Reinheit

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Mittwoch, 19. September 2012 Drucken E-Mail

Die reine Dunkle Biene

Auswahl der richtigen, unvermischten Herkünfte

Wie wir auf der Seite "Die reine Dunkle Biene" bereits behandelt haben, ist es für die Erhaltung dieser vom Aussterben bedrohten Unterart wichtig, sich auf noch rein erhaltene Populationen für die weitere Reinerhaltungszucht zu stützen. "Rein" heißt in diesem Sinne unvermischt, ohne genetische Einflüsse anderer Unterarten der Bienen wie zum Beispiel Carnica oder Ligustica.

Die Situation heute

Die Dunkle Biene wurde, wir wir bereits wissen, hauptsächlich durch Importe anderer Bienen (Carnica und Ligustica) europaweit bis an den Rand der Ausrottung gedrängt. Diese erfolgte durch eine genetische Unterwanderung, da sich die Geschlechtstiere miteinander ohne Rücksicht auf die Herkunft paaren. Auf diese Weise wurde die Dunkle Biene in Deutschland völlig ausgerottet, in anderen Ländern (z. B. Österreich, Polen) genetisch mit Fremdmaterial vermischt; nur in ganz wenigen Regionen konnte sie sich wirklich rein erhalten.

Zur unvermischten Dunklen Biene zählen heute nur noch: 

  • Herkünfte aus Norwegen, Irland, Westfrankreich, Schweden, und möglicherweise dem Ural.

Keine Dunklen Bienen mehr sind:

  • Augustowska, Kampinoska, Pomorska, Północna, Asta etc. aus Polen
  • Nigra, Braunelle, Salzburger Alpenland und andere Alpenbienen
  • "dunkle" Bienen aus Zentral- und Südfrankreich, Großbritannien und dem Baltikum

Es gibt keine lokalen Ökotypen:

Desweiteren ist belegt, dass sich die ursprünglich reine Dunkle Biene nördlich der Alpen, Pyrenäen und Karpathen genetisch nicht voneinander unterschied; die kurze Zeit ihrer Ausbreitung seit dem Ende der letzten Eiszeit reichte hierfür einfach nicht aus. Daher ist es für die Auswahl der richtigen Zuchtstämme bzw. Populationen von oberster Priorität, dass die Zuchttiere rein sind.

Selbstverständlich ist es für den Hobbyimker von geringerer Relevanz, ob seine Dunkle Biene nun zu 80% rein ist oder zu 100%. Im Sinne der Arterhaltung ist diese Frage aber von entscheidender Bedeutung.

Aus dem gesagten ergibt sich somit, dass die regionale Herkunft der ausgewählten Tiere nicht von Bedeutung ist, wohl aber die genetische Unvermischtheit.

Feststellung der Reinheit

Für die Feststellung der Reinheit der Dunklen Biene, also ihre garantierte Unvermischtheit, lässt sich folgende Prüfreihenfolge anwenden:

  1. Optischer Gesamteindruck
  2. Flügelgeäder
  3. in ferner Zukunft möglicherweise auch DNA-Untersuchungen

Wir wollen uns hier mit dem ersten Punkt beschäftigen; die beiden weiteren Punkte werden in gesonderten Beiträgen behandelt (siehe Menü links):

Der optische Gesamteindruck

Jeder, der die reine Dunkle Biene selber einmal kennen gelernt hat, wird sie auf Anhieb in der Zukunft wiedererkennen. Folgende Äußerlichkeiten fallen bei der reinen Mellifera sofort ins Auge:

  • ein gedrungener, rundlicher Körperbau mit stumpfem Hinterleib
  • ein schwarzer Chitinpanzer
  • schüttere, kaum erkennbare Filzbinden
  • durch das Überhaar erscheinen Arbeiterinnen in einem silbrigen Glanz
  • bräunliche Brustbehaarung
  • die Arbeiterinnen untereinander sind alle sehr einheitlich

Dunkle Bienen mit einem auch nur geringen genetischen Fremdanteil können bei der optischen Betrachtung auffallen durch:

  • einen schlanken Körper mit spitzem Hinterleib
  • gelbe Ringe oder Ecken auf dem Chitinpanzer
  • deutliche, graue, scharf abgegrenzte Filzbinden
  • eine eindeutig hellgraue Brustbehaarung
  • oder auch durch unterschiedlich erscheinende Arbeiterinnen innerhalb eines Volkes!

Völker, die auch nur eine dieser letzten 5 genannten Eigenschaften aufweisen, gehören eindeutig nicht zur Dunklen Biene!

Sämtliche Theorien, dass sich die Mellifera-Populationen in Europa voneinander phänotypisch voneinander unterscheiden, wurden seit langem schon wissenschaftlich widerlegt. Eine Dunkle Biene aus Norwegen beispielsweise lässt sich nicht von einer solchen aus dem Ural oder aus Westfrankreich unterscheiden. Vermeintliche Unterschiede der Mellifera-Bienen rühren somit ausschließlich aus Hybridisierung mit Carnica- oder Ligustica-Bienen her.

Somit ist eindeutig, dass es keine "Lokaltypen" oder gar "Ökotypen" der Dunklen Biene in Europa gibt.

In den heute noch bestehenden Populationen der Mellifera Europas (also in der Schweiz, Österreich, Osteuropa, Skandinavien und Westeuropa) liegt aber ein unterschiedlich hoher Vermischungsgrad vor, den es bei der weiteren Arbeit an der Erhaltung der Dunklen Biene zu erkennen gilt.

Der optische Ersteindruck beantwortet uns zunächst die Frage, ob bei einer gegebenen Population eine Einmischung vorliegen mag oder nicht. Bei Vorhandensein von beispielsweise grauen Filzbinden, oder gelben Ringen, oder starken Unterschieden zwischen den Arbeiterinnen haben wir es mit Sicherheit nicht mit einer Dunklen Biene zu tun, sondern mit einer eindeutigen Hybridbiene. Bezeichnet werden diese als Mellifera-nahe Hybridbienen (MHB).

Sind die Bienen aber alle sehr einheitlich "schwarz", mit kaum erkennbaren Filzbinden und einem rundlichen Hinterleib, dann lohnt sich eine weitere Überprüfung, Vermessung des Flügelgeäders zur exakten Feststellung der Reinheit.

Hierzu mehr in dem Artikel "Flügeluntersuchungen" (siehe Menü links).

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