Bienen DNA-Analyse Hybridtest Genetische Untersuchung

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Montag, 18. Juni 2012 Drucken E-Mail

DNA-Analyse – Hybridtest bei der Dunklen Biene

Über den Wert von DNA-Tests bei Honigbienen

In den letzten Jahren nimmt mit steigendem Interesse an der Reinerhaltung der Dunklen Biene Apis mellifera mellifera auch das Interesse an der Morphologie zur Feststellung der genetischen Reinheit von Honigbienen wieder zu. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Immer öfter wird dabei auch von DNA-Test, von DNA-Analyse zur Feststellung der Reinheit von bestimmten Zuchtlinien der Dunklen Biene gesprochen. Auch im Ausland (Belgien, Schweiz, Österreich, Polen) wird die DNA-Analyse bereits mehrfach erwähnt und teils angepriesen, um die vermeintliche Reinheit der Bienen zu dokumentieren.

Wie zuverlässig aber sind DNA-Analysen zur Bestimmung der Reinheit von Honigbienen?

Für die Beurteilung dieser Frage ist es zunächst notwendig, sich mit der Materie der Genanalyse näher zu befassen. In der Literatur bzw. im Internet werden unterschiedliche Verfahren bereits hinreichend beschrieben, und obwohl diese in den genannten Bienen-Publikationen fehlen, lassen sich die Darstellungen doch auf die Honigbiene übertragen.

Da ist zunächst die Untersuchungsmöglichkeit der mitochondrialen DNA (mDNA, mtDNA). Erbinformationen der mDNA werden bei Bienen ausschließlich über die mütterliche Seite weiter vererbt; Drohnen spielen dabei keine Rolle. Bei diesem Untersuchungsverfahren lässt sich somit feststellen, wo eine bestimmte Bienenprobe ihren genetischen, evolutionären Ursprung (mütterlicherseits) hat, nicht aber, wie hoch der Hybridanteil der Probe heute ist. Für die Untersuchung auf Reinheit der Mellifera somit ein völlig untaugliches Verfahren. Interessant und durchaus geeignet ist dieses Verfahren aber zur Feststellung der Anzahl der Unterartengruppen, auch Haplotypen genannt, (es gibt 4: Haplotyp M, C, A und O) und des Ursprungs der Westlichen Honigbiene generell.

Andere Untersuchungsverfahren beziehen sich auf die Gene des Zellkerns. Hier gibt es wiederum zwei Verfahren, die (aufwändige) Untersuchung der Mikrosatelliten, und die (noch aufwändigere) Analyse des Multilocus Fingerprint. In allen Verfahren wird auf bio-chemischem Wege nach bestimmten DNA-Markern gesucht, die dann in einem Auswertungsverfahren optisch dargestellt werden. Das Ergebnis beschreibt dann, mit welcher Wahrscheinlichkeit welche Gene vorliegen dürften. Knackpunkt sind hier die "Wahrscheinlichkeiten" auf der einen Seite, und vor allem auch die (bislang fehlenden) Referenzwerte für die einzelnen Unterarten der Honigbiene, und die Dunklen Biene im vorliegenden Fall.

Nach Mitteilung eines hochrangigen deutschen Bienenforschungsinstitutes sind für die natürlichen Populationen der Honigbiene und der Dunklen Biene im Speziellen bei weitem noch nicht alle Gene entschlüsselt und bekannt; somit kann es Referenzwerte für Apis mellifera mellifera gar nicht geben. Die Menge der Gene und Daten ist einfach viel zu groß! Es braucht noch sehr viel Zeit und Arbeit, diese Daten überhaupt zu erforschen; fraglich bleibt, ob dies je gelingen wird. Voraussetzung dafür sind auch die Bereitstellung von erheblichen finanziellen Mitteln für die Grundlagenforschung!

Wir sehen also: Basisdaten für die Bewertung einer DNA-Analyse stehen gar nicht zur Verfügung! Es gibt somit auch keine Referenzwerte.

Damit kann anhand eines DNA-Ergebnisses gar nicht festgestellt werden, welche DNA-Marker noch der Mellifera und welche einer anderen Unterart zugeordnet werden können. Dennoch werden immer wieder DNA-Analysen als angeblicher Nachweis für das Vorhandensein einer scheinbar reinen Dunklen Biene angeführt. Dies verwundert umso mehr, als Daten der Flügelvermessung meist komplett fehlen. Gerade diese aber wären geeignet, die Reinheit der Dunklen Biene eine bestimmten Population oder Linie eindeutig zu bestimmen.

Ein weiteres Beispiel für die geringe Aussagekraft von Gen-Analysen zur Bewertung der Reinheit einer bestimmten Unterart zeigt uns ein Hinweis auf http://www.apigenix.com./Hybridtest.php, Zitat: "Die Vermischung zwischen A. m. carnica und A. m. ligustica kann nicht klar identifiziert werden." Weitere Unterschiede in den Ergebnissen der herkömmlichen und der DNA-Analyse zeigt folgende Seite: http://www.mellifera.at/seiten/koerung.html. Hier zeigt dann der Vergleich beider Verfahren ganz eindeutig, dass die untersuchten Mellifera-Proben laut DNA-Analyse zwar einer "reinen" Dunklen Biene zuzuordnen wären, aber im Flügelgeäder eindeutig Hybridcharakter zeigen.

Eines haben DNA-Analysen aber dennoch gezeigt (siehe z. B. http://www.mellifica.be/fr/abeille-noire/genetique/microsat.html ): die Mellifera Mellifera zeigt im Vergleich zu anderen Unterarten (Carnica, Ligustica) eine sehr schmale genetische Bandbreite. Zwischen den europäischen Populationen gibt es kaum eine genetische Variabilität, d. h. alle Dunklen Bienen nördlich der Pyrenäen sind sich ziemlich identisch. Die Ursache liegt hier in der ständigen, strengen Auslese während der Eiszeiten. Damit liegen alle diejenigen falsch, die behaupten, die regionalen Populationen der Mellifera (Osteuropa, Skandinavien, Alpen etc.) seien unterscheidbar. Das Gegenteil ist der Fall! Somit können wir nicht von einer "typisch deutschen, skandinavischen, west- oder osteuropäischen Mellifera" reden. Alle diese Bienen sind von Natur aus identisch.

Zusammenfassung

DNA-Untersuchungen taugen bislang nicht zur Feststellung der genetischen Reinheit von Populationen der Dunklen Biene. Weder sind die Referenzwerte eindeutig definiert, noch ist der genetische Code entschlüsselt. DNA-Untersuchungen sind auch nicht transparent und daher nicht nachvollziehbar. Die Referenzwerte und auch die Ergebnisse sind daher manipulierbar, und manch Züchter wird in die Versuchung kommen, mit der DNA-Analyse seine Bienen "rein zu waschen".

Für die Feststellung der Reinheit stehen uns heute neben dem optischen Ersteindruck vor allem die hervorragend herausgearbeiteten Messungen des Flügelgeäders zur Verfügung. Anhand der Korrellationen Cubitalindex-Hantelindex-Diskoidalverschiebung lassen sich auch geringste Einflüsse von Hybridisierung feststellen. Diese Verfahren sind erprobt, wissenschaftlich lange belegt, transparent und nachvollziehbar!

Zugriffe: 11293